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Psychotherapeutische Praxis
Dr. Phil. Philippe Stöckli
Traumatherapie
Finde zurück zu Deinem gesunden Kern
und Deiner natürlichen Ausdruckskraft
Traumatherapie ist der Oberbegriff für die
Therapie für Menschen mit psychischen
Traumatisierungen.
Welche Arten von psychischen
Traumatisierung gibt es?
Ein sogenanntes Psychotrauma entwickelt sich als
Folge von aussergewöhnlich belastenden
Ereignissen, wobei Gefühle der Ohnmacht und
kompletten Hilflosigkeit das Sicherheitsgefühl
aufs Schwerste erschüttern. Entscheidend dabei,
ob jemand traumatisiert wird oder nicht, ist das
subjektive Gefühl des Überwältigt-Seins, nicht die
Art des Traumas. Im Folgenden möchte ich die
wichtigsten Traumatypen kurz beschreiben,
wobei darauf hingewiesen sein soll, dass die
Übergänge in der Realität nicht immer so
eindeutig sind.
(Klassische) Posttraumatische
Belastungsstörung (PTBS)
Dies ist sozusagen der grosse Topf für alle
Trauma Diagnosen, bevor weitere
Spezialisierungen (wie komplexe PTBS) eingeführt
wurden. Auch als Schocktrauma bekannt, kommt
diese Art der Traumatisierung durch einzelne,
isolierte Vorfälle viel weniger häufig vor als
komplexe PTBS. Zu den charakteristischen
Symptomen gehören (1) Flashbacks
(unkontrollierbare, durch Trigger hervorgerufene
emotionale Erinnerungen), Alpträume,
Angstzustände, (2) Vermeiden von allem, was an
das Trauma erinnert, und (3) Hyperarousal
(Übererregbarkeit, konstante “Alarm-
Bereitschaft”), und Hypoarousal (z.B. Gefühl der
emotionalen Abgestumpftheit, bis hin zur
Dissoziation) und mehr.
Komplexe Posttraumatische
Belastungsstörung (kPTBS)
Im Unterschied zur klassischen PTBS, wo jemand
ein einziges Ereignis (Monotrauma) erfahren hat
(z.B. Autounfall im Erwachsenenalter) haben
Menschen mit kPTBS wiederholte, frühkindliche
traumatische Ereginisse erlebt. Dazu können
körperliche, sexuelle Gewalt, aber auch
emotionaler Missbrauch (Beschämung,
Bestrafung, Vernachlässigung, etc.) gehören.
Kinder, die solche Traumatisierungen erlebt
haben, sind in ihrer geistigen und emotionalen
Entwicklung teils massiv gestört worden, und
waren gezwungen, gewisse Überlebensstrategien
zu entwickeln, die sie als Erwachsene oft
weiterführen. Zu Symptomen der komplexen
PTBS gehören (neben den drei Bereichen der
klassischen PTBS) Schwierigkeiten, eigene
Emotionen und Impulse zu regulieren,
selbstschädigende Verhaltensweisen (auch
Selbstverletzungen), Störungen der Sexualität,
Störungen der Wahrnehmung oder des
Bewusstseins (Dissoziation, Depersonalisation,
etc.), verzerrte Selbstwahrnehmungen
(Körperbild, Gefühl, defekt zu sein, Störungen der
Beziehungsfähigkeit: Angst und Sehnsucht nach
Kontakt, zu wenig oder zu viel zu Vertrauen,
Reviktimisierungs-Tendenzen, etc.),
Somatisierung (unerklärliche körperliche
Symptome oder Schmerzen), Verlust von
Zukunftsperspektive, Sinn des Lebens, etc. Cave:
In den USA wird der Begriff ‘komplexe PTBS’ in
letzter Zeit anders verwendet, nämlich viel breiter
und beschreibt eher, was hier unter
‘Entwicklungstrauma’ beschrieben ist.
Dissoziative Identitätsstörung (DIS)
Die Diagnose der DIS steht am äussersten Ende
des traumatischen Spektrums. Sie ist
gekennzeichnet durch eine anhaltende
Abspaltung einiger Persönlichkeitsanteilen. Diese
besitzen separate Erinnerungen, Fähigkeiten,
Persönlichkeitseigenschaften, Alter,
Sprachfähigkeiten, etc. Menschen mit einem
solchen Ausmass an struktureller Dissoziation
haben als Kinder oft die schlimmsten Arten
traumatischer Erfahrungen erlebt, wie jahrelange
sexuelle und/oder körperliche Ausbeutung, das
wiederholte Ausbleiben von jeglicher
Unterstützung. Erstaunlicherweise besitzen
Menschen mit einer DIS einen “anscheinend
normal funktionierenden Persönlichkeitsanteil”,
der teils im 1. Arbeitsmarkt arbeiten und
interagieren kann. Das deutet auf die enorme
Anpassungsfähigkeit des Menschen hin. Die
Symptomatik einer DIS umschliesst Amnesien,
unkontrollierbare Wechsel der
Persönlichkeitsanteile mit teildissoziierten
Handlungen, Wahrnehmungsstörungen zur
Umwelt und zur eigenen Person, plus alle
Symptome der klassischen und komplexen PTBS.
Entwickungstrauma
Entwicklungstraumata sind die Auswirkungen von
Traumatisierungen, die i.d.R. vor dem dritten
Lebensjahr stattgefunden haben. Dazu gehören
pränatale Einflüsse, perinatale (also
Geburtskomplikationen, etc.) und Vorfälle in den
ersten drei Lebensjahren wie medizinische
Eingriffe, Alleine-Gelassen-Werden (z.B.
unbegleitete Spitalaufenthalte), aber auch
emotionaler, körperlicher oder sexueller
Missbrauch. Traumatisch werden solche Vorfälle
dann, wenn ein Kleinkind einer gefühlten
Bedrohung wehrlos ausgeliefert ist und nicht aus
diesem Zustand herausgeholt wird. Der Begriff
Entwicklungstrauma ist bis heute keine offizielle
Diagnose, sondern fällt unter “komplexe
Posttraumatische Belastungsstörung”. Da die
wenigsten Menschen explizite Erinnerungen an
die ersten Lebensjahre besitzen, bleibt
Entwicklungstrauma oft unsichtbar. Existentielle
oder andere “grundlose” Ängste, Schwierigkeiten
zu entspannen oder ein Drang, ständig in
Bewegung und Aktivität sein zu müssen, können
jedoch Hinweise auf ein Entwicklungstrauma sein.
Peter Levine nennt diese Zustände auch GHIA
(global high intensity activation). Mehr zu
Entwicklungstrauma auf der NARM Seite.
Elemente einer Traumatherapie
Heute existiert eine grosse Methodenvielfalt in
der Behandlung von Traumatisierungen. Trotz
der grossen Unterschiede zwischen den
Methoden kochen alle mit Wasser. So können
folgende allgemeine Wirkfaktoren
zusammengefasst werden:
•
Psychoedukation: Aufklärung über Definition
und Symptomatik von Trauma, Einführung
von hilfreichen Modellen, Information über
Behandlung und was erwartet werden kann.
•
Stabilisierung Hauptziel ist das Erlernen von
Emotionsregulation, was eine
Wiederherstellung der Schwingungsfähigkeit
bedeutet: Wie kann ich meine Emotionen
fühlen, ohne gleich Defensivstrategien
heranziehen zu müssen? Dieser Schritt
kommt meist einer Wiederherstellung der
Verbindung zum Körper und den Gefühlen
gleich.
•
Fähigkeit der achtsamen Selbstbeobachtung:
Dies stellt das zentrale Instrument der Top-
Down Regulation dar, welches erlernt
werden muss: Beobachten von *Gedanken,
Emotionen, Körpersensationen,
Sinneswahrnehmungen und
Handlungsimpulsen.
•
Verbindung zum Körper: Das Trauma sitzt in
der rechten Gehirnhälfte, im impliziten
Körpergedachtnis, den Sinnen, den
Emotionen, Bewegungen. Daher ist der
Einbezug des Körpers notwendig. Komplette
Integration bedeutet verkörpertes Lernen.
•
Trauma Exposition: Auseinandersetzen mit
den traumatischen Erinnerungen, dabei
Arbeit mit allen oben erwähnten Bereichen*
inkl. Bildern, irrationalen Überzeugungen
und Identifikationen
•
Reorganisation und Integration: Erarbeiten
eines zusammenhängenden, expliziten
Narrativs über das eigene Leben und die
eigene Person - unter Einbezug des Traumas
und dessen Bedeutung.
Angewandte Methoden
Ich arbeite mit den folgenden Methoden:
SE (Somatic Experiencing): SE ist ein
körperzentrierter Ansatz zur Behandlung von
Trauma und könnte als Anwendung der
Polyvagaltheorie betrachtet werden. Das Ziel
besteht in der Wiederherstellung der Verbindung
zum Selbst und damit der Wiederherstellung der
gesunden Schwingungsfähigkeit, welche als Basis
für die Verarbeitung und Integration
traumatischer Erfahrungen dient. SE kann auch
Berührung und Arbeit auf der Liege einschliessen.
Mehr Info
EMDR (Eye Movement Desensitization and
Reprocessing) Traumatische Erinnerungen sowie
irrationale Kognitionen werden durch schnelle
Augenbewegungen verarbeitet. Sehr effektive
und wissenschaftlich gesicherte Methode.
Sogennannte ‘sanfte Methode’. Mehr Info .
NARM (Neuroaffective Relational Model): Der
Begründer Laurence Heller war langjähriger
Trainer von Somatic Experiencing (SE). NARM
erweitert den körperorientierten Ansatz des SE
um eine psychodynamische,
entwicklungsorientierte Sichtweise. Dabei wird
sehr behutsam gearbeitet und so eine Integration
von Mentalem und Körperlichem zu erreichen.
Mehr Info
Ego-State-Therapie: Die Arbeit mit inneren
Persönlichkeits-Anteilen kann helfen,
abgespaltene, ev. sprunghafte eigene Verhaltens-
und Erlebensweisen einzuordnen und zu
verstehen. Methode der Wahl bei komplexer
PTBS und bei Patienten mit dissoziativer
Symptomatik, aber auch sehr effektiv bei
gesunden Menschen!
NET (Narrative Expositionstherapie): ist eine
schlanke, sprachbasierte Methode mit Fokus auf
der Exposition, dem Herstellen eines kohärenten
Narrativs und der Einbettung in die eigene
Lebensgeschichte.
Therapie der traumabezogenen Dissoziation:
Psychotherapeut und Forscher Ellert Nijenhuis
hat in seiner jahrelangen Arbeit mit Menschen
mit dissoziativer Identitätsstörung (DIS) eine
systematische Herangehensweise entwickelt, die
auf der “demokratischen” Integration der
verschiedenen Persönlichkeits-anteilen beruht.
Links zu Traumatherapie
•
EMDR (Eye Movement Desensitization and
Reprocessing
•
Ego-state Therapie
•
NET (Narrative Expositionstherapie)
•
Therapie der traumabezogenen Dissoziation
der Persönlichkeit
•
NARM (Neuroaffective Relational Model)
•
SE (Somatic Experiencing) - auf Englisch
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