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Psychotherapeutische Praxis
Dr. Phil. Philippe Stöckli
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Hochfunktionale Autismus-Spektrum-Störungen
waren bis vor Kurzem noch bekannt als Asperger
Syndrom, aber der Begriff “Asperger” wurde aus
den neuesten Diagnosemanualen entfernt. Hans
Asperger, ein Österreichischer Psychiater
beschrieb 1944 erstmals Kinder mit dem
Phänomen.
Was macht eine Autismus-Spektrum-Störung
aus?
Betroffene zeichnen sich typischerweise aus durch
folgende Charakteristika
•
Schwierigkeiten mit sozialer Kommunikation
(nonverbales Verständnis und soziale
Intuition)
•
Autistisches Denken (eher absolut als relativ,
eher basiert auf Logik als auf Gefühlen und
Intuition)
•
Autistische Wahrnehmung (hochpräzis,
detailorientiert, kontextfrei und oft
überflutend mit Schwerigkeiten der
Integration)
•
Tendenz zu Routinen und stereotypem,
repetitiven Verhalten
•
Andersartige Emotionswahrnehmung und
–verarbeitung (Schwierigkeiten, eigene
Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu
regulieren)
Der Ausdruck Autismus-Spektrum ist dadurch
begründet, dass jede*R Betroffene eine
unterschiedliche Kombination an Auffälligkeiten
aufweist. Das bedeutet, dass sich betroffene
Personen deutlich voneinander unterscheiden
können trotz derselben Diagnose. Heute wird in
der Diagnosestellung anstelle von ‘Asperger
Syndrom’ die Bezeichnung ‘Autismus-Spektrum-
Störung’ verwendet.
Download Diagnosekriterien ICD-10, DSM-5
Erklärungsmodelle für Autismus
Heute existieren eine Reihe von verschiedenen
Modellen, die gewisse Aspekte von Autismus
erklären können: Ich möchte Sie auf eine relativ
neue Betrachtungsweise aufmerksam machen,
jenseits von Theory of Mind, verminderter
zentraler Kohärenz und Exekutivfunktionen: das
Bayes’sche Modell der prädiktiven Kodierung. Es
ist fähig, sowohl soziale. emotionale und kognitive
Autismusphänomene Phänomene schlüssig zu
erklären und wird von Fachleuten und Betroffenen
gleichermassen geschätzt. Kurz zusammengefasst
versteht es Autismus im Kern als eine andersartige
Informationsverarbeitung, die leider unter
Informationsintegrationsstörungen leidet. Sie
erfahren mehr darüber in meinem Buch oder auf
der Webseite zum Buch.
Abklärung / Diagnostik
In der Diagnostik von Autismus-Spektrum-
Störungen existieren bis heute keine eindeutigen
biologischen Marker oder Tests. Daher erfolgt die
Diagnostik durch klinische Einschätzung.
Fragebögen können wertvolle Hinweise liefern und
als Screening- Instrumente eingesetzt werden.
Neben einer ausführlichen anamnestischen
Exploration gehört zur Diagnostik auch eine
sorgfältige Differentialdiagnostik: Das
Erscheinungsbild einer ASS kann vielfältige
Überlappungen mit anderen psychischen
Erkrankungen zeigen, wie Depression, (soziale)
Angst, Trauma, Zwangsstörung, Hochbegabung,
AD(H)S, schizoide, dissoziale oder narzisstische
Persönlichkeitsstörung. Zudem ist es wichtig,
automatisierte Coping-Strategien (wie Maskierung)
von wahren Symptomen zu unterscheiden: So
kann eine betroffene Person beispielsweise gelernt
haben, Blickkontakt herzustellen und zu lächeln.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Verhalten
aufgrund eines intuitiven Bedürfnisses zustande
kommt. Um mehr über eine Abklärung bei mir zu
erfahren: Abklärungen.
Welche Vorteile kann eine Abklärung bringen?
Meines Erachtens ist eine Diagnose nur so gut, wie
viele Phänomene sie im Leben des Betroffenen
erklärt. Das Wissen um die Diagnose kann also
Sinn und damit Orientierung geben. Zu wissen, wo
man steht und dass man nicht alleine ist mit seiner
Weltwahrnehmung, mag entlastend bzw.
verbindend wirken. Verbindend insofern, dass
man sich allenfalls nicht mehr als einsamer
«Andersartiger» fühlt, sondern zugehörig zu einer
Gruppe, zum Beispiel der Neurodiversität oder
Autismus. Das Wissen um die eigene Diagnose
eröffnet auch Möglichkeiten, sich fachspezifisch zu
informieren oder Unterstützung zu suchen. Ferner
kann die Diagnose eine „offizielle“ Legitimation
darstellen, anders zu sein und sich anders zu
fühlen, und zwar nicht im Sinne einer
Entschuldigung für jegliches von der Norm
abweichende Verhalten, sondern als erster Schritt
auf dem Weg zu Selbstakzeptanz und Stärkung des
Selbstwertgefühls.
Therapie
Meine Arbeit basiert auf dem Vier-Komponenten-
Modell von Autismus, das ich im Laufe der letzten
Jahre entwickelt habe und das Autismussymptome
in vier Komponenten gliedert: eine genetische,
Stress- und Traumakomponente, eine
Bindungskomponenten und eine
Kompensationskomponente. Während Symptome
der genetischen Komponente normalerweise sehr
stabil sind, können Symptome der anderen drei
Komponenten behandelt und verbessert werden
(nicht geheilt!). Das Vier-Komponenten-Modell
erlaubt eine präzisere Wahl der Interventionen, je
nach Symptom.
So oder so richtet sich eine Therapie in erster Linie
nach den Bedürfnissen der betroffenen Person.
Mögliche Therapieinhalte können folgende
Themen umfassen:
•
Selbstexploration: Unterschiede kennenlernen
zwischen ASS und neurotypisch
•
Üben der Selbstwahrnehmung (Gefühle,
Körper, Gedanken, Impulse, Sinne)
•
Üben und Besprechen von sozialen
Interaktionen
•
Üben von Umgang mit Emotionen und Stress
•
Stärken des Selbstwerts und der
Selbstakzeptanz
•
Umgang mit Prokrastination und
Aufmerksamkeitsproblemen
•
Umgang mit (Denk- oder Handlungs-)Zwängen
und rigiden Routinen
•
Alltägliche Lebensfragen zu allen erdenklichen
Themen (Haushalt, Sport, Sexualität,
Beziehungen, Arbeit, Hobbies, etc.)
Ferner können allfällige Begleiterkrankungen
behandelt werden, z.B. Depression / chronische
Erschöpfung, Angst, ADHS (auch wenn kein Vollbild
besteht). Für diese Erkrankungen können
Medikamente womöglich hilfreich sein.
Warum ich gerne mit autistischen Menschen
arbeite
Autistische Menschen habe ich als zuverlässig,
unaufdringlich, interessiert, bescheiden, dankbar,
ehrlich und direkt wahrgenommen (und vieles
mehr). Ich schätze diese Züge, nicht zuletzt, weil
ich diese auch selber besitze. Ich selber bin jedoch
nicht von Autismus betroffen.
Links
•
autismus-trauma-bindung.com
•
Selbsttest für Autismus (AQ-Test)
•
Selbsttest Asperger Syndrom
•
Selbsttest Alexithymie
•
autismus.ch/adressen.html
Impressum
Psychotherapeutische Praxis
Dr. phil. Philippe Stöckli
Gemeindestr. 26 | 8032 Zürich
Tel. 076 282 8885