Meine psychotherapeutische Arbeitsweise basiert in erster Linie auf einem
humanistischen, traumasensiblen Menschenbild. Studien haben längst gezeigt, dass
der stärkste Wirkfaktor einer Psychotherapie weder Therapieschule noch Erfahrung
ist. Vielmehr hat sich die Beziehung, das Gesehen und Gehört-Werden von Mensch zu
Mensch als wichtigster Faktor herausgestellt. Folgende Sätze sind für mich sehr
zentral:
•
Wahrhaftes Zuhören schafft Regulation und Verbindung zum Gegenüber
•
Verbindung zum eigenen Körper ermöglicht Energiefluss, Regulation und Integration
•
Alles funktioniert besser in entspanntem Zustand
•
Jeder Moment bietet die Gelegenheit, mit sich in Kontakt zu kommen und
Selbstakzeptanz zu üben
•
Wer lernt, den Signalen des Körpers zu folgen, ist auf dem Weg zum natürlichen
Kernselbst.
Haltung des Vertrauens in körpereigene Weisheit und Heilkräfte
Meine therapeutische Haltung ist geprägt von der Überzeugung, dass sich unser
Geist, unsere Psyche, unser Körper und unser Nervensystem am besten selber heilt.
Das mag vielleicht sarkastisch klingen: Wieso bin ich dann nicht schon längst gesund
und es geht mir wieder toll? Der Glaube in die Selbstheilungskräfte bedeutet nicht,
dass wir keine Unterstützung brauchen. Denn Belastung und Stress gehen meist
einher mit einem Unterbruch der Verbindung zum Selbst. Damit fehlen dem Gehirn
wichtige Signale aus dem Körper, und die emotionale Energie kann nicht mehr
fliessen und ist blockiert. Ein freundlich zugewandtes Gegenüber, ein sicherer Raum,
in dem man sich selbst sein kann, sind Voraussetzungen, diese verlorene Verbindung
wiederzufinden und zu reanimieren. Es braucht manchmal Zeit, Vertrauen in das
Gegenüber und in den eigenen Körper aufzubauen, je nachdem, was man erlebt hat.
Mein Vertrauen in die Weisheit des Körpers geht auf jahrelange Selbsterfahrung mit
den verschiedensten Therapiemethoden zurück, u.a. Gestalttherapie, EMDR, NARM,
Somatic Experiencing, Shiatsu, Neurofeedback, Feldenkrais, Cranio und Rolfing. Und
sie fusst auf der humanistischen Tradition, die ich im Rahmen meiner
Gestalttherapeutischen Ausbildung kennengelernt habe und die Heimat meines
therapeutischen Ansatzes bildet. Unter einem humanistischen Ansatz verstehe ich,
dass ich der PatientIN auf Augenhöhe begegne, und mich als ganzer Mensch zeige, im
Bewusstsein um meine eigene Verletzlichkeit und Stärke. Ich begegne dem
Gegenüber, so wie auch ich es schätzen würde: mit Respekt, Interesse, Wertschätzung
und mit Menschenwürde.
Verwendete Methoden, die Selbstheilung fördern
Im Folgenden möchte ich anhand der verschiedenen Methoden aufzeigen, inwiefern
diese das Element der Selbstheilung beinhalten:
Gestalttherapie
Gestalttherapie basiert auf humanistischen Werten und besitzt Wurzeln in der
Achtsamkeitstradition, der Psychoanalyse und der Gestalttheorie. Letztere besagt u.a.,
dass eine offene Gestalt auf deren Abschluss hindrängt. Dies bedeutet in der Folge,
dass Systeme sich selbst organisieren, solange ein Austausch, also eine Verbindung
möglich ist. Diese Systeme können gesellschaftliche Gruppen sein oder der
Organismus selbst. Gestalttherapeutische Interventionen umfassen denn auch
solche, die den Austausch zwischen Systemen fördern. Dazu werden Elemente des
Systems oft symbolisiert und können dann ausserhalb der Person betrachtet werden,
z.B. in Form einer Stuhlarbeit oder einer Identifikation mit einem Symbol. So können
Gefühle, Bedürfnisse, kindliche oder Erwachsene Anteile und vieles mehr symbolisiert
werden. Im Austausch wird Wert darauf gelegt, dass die Elemente das zum Ausdruck
bringen, was ihnen als wichtig erscheint. Der Therapeut macht u.U. Vorschläge für
Experimente, so dass fehlende, abgespaltene oder wenig entwickelte Aspekte
erfahren und integriert werden können. Der Patient wird zu diesen Experimenten
eingeladen, und entscheidet danach selbst, was innerlich auf Resonanz gestossen ist
und welchen Wert das hat. Zentrales Element in der Gestalttherapie ist der Kontakt,
ein anderes Wort für Verbindung.
Somatic Experiencing
Somatic Experiencing ist ein körperbasierter Traumatherapieansatz, der stark Bottom-
Up arbeitet. Das bedeutet, dass sensomotorische und emotionale Informationen, die
vom Körper und den Sinnen kommen, zentral sind bei der Verarbeitung von Stress
und Trauma. Wir alle wissen, dass Angst und Trauma nicht durch reine kognitive
Bearbeitung verschwinden. Die Forschung konnte nachweisen, dass traumatische
Erinnerungen in erster linie im impliziten Körpergedächtnis gespeichert sind und
damit aus sinnlichen, emotionalen und interozeptischen Informationen bestehen.
Peter Levines Grundidee besteht darin, dass Traumasymptome dann verschwinden,
wenn die verhinderten Verteidigungsreaktion zu Ende gebracht werden kann. Das
Wesen von Trauma besteht ja darin, dass man sich nicht verteidigen konnte und
überwältigt wurde. Um diese instinktiven Reaktionen aufzuspüren, ist es nötig,
dem inneren Spürhund zu folgen, und die subtilen Zeichen des Körpersystems zu
beachten und ihnen Raum zu geben, so dass sie sich auf natürliche Weise entfalten
können. Anders ausgedrückt geht es darum - ähnlich wie im NARM - die blockierte
Lebensenergie zu finden und diese wieder fliessen zu lassen. Auf diese Weise können
Traumata sich - ähnlich wie in er Tierwelt - auf natürliche Weise entladen und
verwandeln, und die gebundene Energie steht dem Organismus wieder zur
Verfügung. Die Homöostase ist wieder hergestellt.
NARM (neuro-affective relational model / neuroaffektives Beziehungsmodell)
NARM ist ein auf Entwicklungstrauma ausgerichteter Psychotherapie-Ansatz, der auf
den Prinzipien von Somatic Experiencing und Gestalttherapie, u.a. basiert. Er geht
davon aus, dass wir mit voller Vitalität und Lebenskraft zur Welt kommen, uns dann
aber im Laufe der Entwicklung so an die Umwelt, respektive Eltern, anpassen, dass wir
unsere natürliche Lebenskraft vermindern. NARM unterstützt KlientInnen darin,
die eigene natürliche Lebenskraft wieder zu finden - denn sie liegt in uns und kann
nicht verloren werden. Wenn wir mit dieser Lebenskraft verbunden sind, lösen sich
Konflikte, Spannungen und Symptome oft von alleine auf. In der Realität muss man
sich diesen Prozess als eine graduellen vorstellen: Es geht darum, in einen Zustand zu
kommen, in dem unser Körper optimal mit seinen Ressourcen und dem Umfeld
verbunden ist - Porges nennt ihn den ventral vagalen Zustand. Da das Leben nicht
statisch ist, sind auch unsere Zustände dynamisch und halten nicht an. Je öfters ein
Individuum jedoch die Erfahrung dieses Zustandes der Verbundenheit, Sicherheit und
inneren Ruhe macht, umso mehr festigt sich dieses neuronale Netzwerk und damit
das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte und der Glaube, dass es schon gut kommt.
EMDR (eye movement desensitization and reprocessing)
EMDR ist eine traumatherapeutische Methode, bei der durch bilaterale Stimulation
dem Gehirn signalisiert wird, dass es jetzt verarbeiten soll, jedoch nicht WIE. Dabei gilt
der Grundsatz, dass der Prozess umso besser funktioniert, je weniger Therapeut
(oder Klient) eingreifen. Im Vertrauen, dass das Gehirn genau das bearbeitet, was im
Moment das Wichtigste ist, und genau auf diese Weise, wie es für den Organismus am
besten ist. Es ist faszinierend, mitverfolgen zu können, wie sich auf diese Weise
überwältigende Erfahrungen in verarbeitete Erinnerungen verwandeln und wie
eigene Ressourcen vom Gehirn hinzugezogen werden.
Eine Bemerkung zu Körpertherapie und Berührung
Wer zu einem Psychotherapeuten geht, erwartet Gespräche im Sitzen ohne
Berührungen. Meine körperorientierten Ausbildungen und Selbsterfahrungen in den
letzten Jahren haben mich immer näher zum Körper gebracht. Durch die
wissenschaftliche und persönliche Auseinandersetzung mit der Funktionsweise und
Evidenz von Körpertherapie - aus der im Übrigen mein Buch entstanden ist - habe ich
u.a. realisiert, dass der Zugang zu gewissen Themen und Problematiken über eine
klassische Gesprächstherapie kaum möglich ist, z.B. frühe Entwicklungstraumata,
Erlebnisse der frühen Vernachlässigung oder Nahtoderfahrungen. Daher biete ich
eine körperorientierte Arbeitsweise mit oder ohne Berührungen an, jedoch nur wenn
Sie das wünschen und bei genügend gegenseitigem Vertrauen. Das Angebot ist eine
Erweiterung meines bisherigen psychotherapeutischen Ansatzes.
Haltung & Menschenbild
“Alles, was Du suchst, ist bereits in Dir”
psychotherapeutische Praxis
Dr. Phil. Philippe Stöckli
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