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Psychotherapeutische Praxis
Dr. Phil. Philippe Stöckli
EMDR - eye movement desensitization &
reprocessing
Was ist EMDR?
EMDR bedeutet "Eye Movement
Desensitization and
Reprocessing" und wurde 1987-
1989 von der Amerikanischen
Psychologin Dr. Francine Shapiro
zur Behandlung von Traumata
entwickelt. Durch schnelle
Augenbewegungen (L-R) wird im Gehirn die
Verarbeitung von Gedächtnisinhalten gestartet.
Was zunächst simpel klingt, ist eine komplexe und
umfangreiche Psychotherapiemethode, bedarf
einer mehrjährigen Ausbildung, zu der aktuell nur
anerkannte Psychotherapeuten zugelassen sind.
Als ich zum ersten Mal von den unglaublichen
Heilungserfolgen von EMDR hörte, wurde ich
stutzig und dachte an Esoterik Mumpiz.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass EMDR eine
sehr effektive Therapiemethode für Trauma ist
und ein mächtiges Instrument zur gründlichen und
schnellen Durcharbeitung von Emotionen. EMDR
funktioniert für die meisten Menschen.
Geschichte
Die Amerikanische Psychologin stiess 1987 durch
Zufall auf die Wirkung der Augenbewegungen. Sie
hatte soeben selber eine schwierige
Diagnosestellung erhalten und machte zum
"Verdauen" der Neuigkeiten einen Spaziergang im
Park des Spitals. Dabei bewegte sie ihre Augen
(zufällig) schnell hin und her. Nach zehn Minuten
war ihre Belastung plötzlich wie verschwunden.
Shapiro war so beeindruckt, dass sie in den
darauffolgenden Jahren EMDR daraus entwickelte.
Später fanden Shapiro und Kollegen heraus, dass
der Effekt nicht ausschliesslich durch
Augenbewegungen hervorgerufen werden kann,
sondern dass es um eine bilaterale Stimulation
geht. Doch der Name EMDR hatte sich bereits so
stark etabliert, dass sie auf eine Namensänderung
verzichteten. Heute hat der Patient die Wahl, ob
sie EMDR mit
Augenbewegungen,
alternierenden Tönen (mit
Kopfhörern) oder mit
einem vibrierenden Gerät
("EMDR Buzzies", siehe
Bild ) machen will.
Wirkprinzipien
Interessanterweise ist die Wirksamkeit sehr gut
belegt, nicht aber die exakte Wirkweise von EMDR.
Bislang existieren lediglich Hypothesen.
•
Ankurbeln der Verarbeitung von
Gedächtnisinhalten, ähnlich wie im REM-Schlaf
•
Informationsverarbeitungssystem im
Zentralnervensystem (ZNS). Durch die
Reizüberflutung während einer traumatischen
Situation scheint dieses System zum Teil
blockiert zu werden.
•
EMDR löst eine Orientierungsreaktion aus und
führt so direkt zu einer Desensibilisierung und
Verarbeitung der traumatischen Erinnerung
•
EMDR fördert den bilateralen Datenaustausch
zwischen den Hirnhälften. So können
"steckengebliebene” Erinnerungen verarbeitet
werden.
Langsame vs. schnelle Stimulation
Mit langsamer Stimulation werden vorhandene
Phänomene verstärkt oder verankert. Diese
Effekte sind nur temporär. Diese Technik kommt
bei einer ersten Testsitzung zu Einsatz (als sog.
Absorptionstechnik) oder beim Abschluss einer
erfolgreichen EMDR-Sitzung. Mit schneller
Stimulation wird die Verarbeitung gestartet, also
die eigentliche EMDR-Behandlung. Die Effekte sind
andauernd.
Wirksamkeit
Die EMDR-Methode hat sich als eine effektive und
zeitökonomische Behandlungsmethode für die
posttraumatische Belastungsstörung etabliert.
Heute ist in fast jedem zivilisierten Land eine EMDR
Ausbildungsstätte zu finden. Über die PTBS hinaus
gibt es zunehmend positive Erfahrungen mit
anderen Störungsbildern. In den 30 Jahren ihres
Bestehens hat sich EMDR zur Therapiemethode
mit den meisten kontrollierten und
unkontrollierten Therapiestudien zur Behandlung
von PTBS entwickelt. [Aktueller Stand der
Forschung] Die Effekte sind andauernd und heben
sich deutlich von Placeboeffekten ab. Bei der
EMDR-Behandlung einer Person mit einer
einzelnen Traumatisierung reichen in der Regel
wenige Sitzungen, wenn keine starken
Vorbelastungen vorliegen. Bei der Behandlung von
Personen, welche sequentiell über einen langen
Zeitraum hinweg traumatisiert worden ist, braucht
es für die Stabilisierungsphase einen längeren
Zeitraum. Diese Phase kann Wochen bis Jahren
benötigen
Anwendungsfelder
•
Monotrauma (einzelnes Ereignis)
•
Komplexes Trauma (sich über längere Zeit
wiederholende Ereignisse) Dazu gehören
körperlicher, emotionaler und sexueller
Missbrauch, Kriegserlebnisse u.a.
•
Bindungsstörung / Entwicklungstrauma:
Bearbeiten von prägenden Beziehungs-
erfahrungen
•
Depression: Bearbeitung der den
Identifikationen zugrunde liegenden
Erfahrungen
•
Angst, Panikattacken, Phobie: Bearbeitung der
zugrunde liegenden Erfahrung
•
ADHS: Verarbeiten von selbstwert-
belastenden Ereignissen
•
Asperger Syndrom: Verarbeiten von
selbstwert-belastenden Ereignissen
•
Zwangsstörung: Bearbeitung der zugrunde
liegenden Erfahrung
•
Trauerprozesse
Ablauf einer EMDR Behandlung bei
Traumatisierung
Der Ablauf einer Behandlung gliedert sich in 8
Phasen Video (4.33) . Im besten Fall kann nach
wenigen Sitzungen mit dem Prozessieren
begonnen werden. Die folgenden 8 Phasen
gehören in jede EMDR Behandlung:
1. Gründliche Anamnese - Auflistung - nicht
Vertiefung! - von belastenden Ereignissen -
Diagnosestellung (allenfalls Traumadiagnostik) -
Indikation und Behandlungsplan
2. Vorbereitung - diese Phase kann zwischen
wenigen Sitzungen und Jahren dauern! -
Ausführliche Aufklärung und Information über
Behandlung - Prüfen/Erlernen von Emotions-
regulationsmechanismen - Erlernen von
Stabilisierungstechniken, Erkunden des Kontakts
zum Körper und Gefühlen - Testsitzung mit
positivem Material (sog.
Absorptionstechnik), mit langsamer Stimulation 3.
Bewertung einer ausgewählten Erinnerung (Bild,
Gedanken, Emotion, Belastung, Körper)
4. Reprozessierung mit schneller bilateraler
Stimulation, bis Belastung verschwunden ist
5. Verankerung der positiven Gedanken /
Körperempfindung mit langsamer Stimulation
6. Körpertest
7. Abschluss - Die Patientin soll immer in einem
stabilisierten Zustand die Sitzung verlassen, auch
wenn die Bearbeitung noch nicht komplett ist.
Dazu stehen zahlreiche Stabilisierungs- techniken
zur Verfügung.
8. Überprüfung und Planung in der nächsten
Sitzung Die eigentliche Bearbeitung der
Erinnerungen findet in einer 60-90 Minütigen
Sitzung statt (Phasen 3-7). Anmerkung: Anstelle der
oft ermüdenden Augenbewegungen kann EMDR
mithilfe eines vibrierenden Geräts (EMDR
“buzzies”, siehe Bild oben) durchgeführt werden.
Bedingungen für eine EMDR Behandlung
•
Patientin sollte sich idealerweise in einer
relativ stabilen Lebensphase befinden, d.h.
aktuell keine tiefgreifenden Lebensereignisse
wie Wohnungswechsel, Abschlussprüfung,
Trennung/Scheidung, Schwangerschaft,
Geburt eines Kindes, Entzugsbehandlung, etc.
•
Ausreichende Selbstregulierungs-
mechanismen (da Behandlung ambulant
durchgeführt wird), d.h. Fähigkeit, belastende
Gefühle zulassen zu können
•
Andauernde Missbrauchsbeziehung
•
bei ADHS Patienten: Medikamentöse
Behandlung
•
Ausschlusskriterien: Psychose, Epilepsie, akute
Suizidalität, permanenter Drogeneinfluss,
permanenter Benzodiazepinkonsum
Links und Literatur
•
Broschüre zum Runterladen
•
Interview mit Gründerin Francine Shapiro -
Video (4.57)
•
8 Phasen der EMDR Behandlung (Arne
Hofmann) - Video (4.33)
•
Ablauf einer EMDR Sitzung (Michael Kerzel) -
Video (4.40)
•
Kurze Zusammenfassung von EMDR - Video
(1.37)
•
Gute Informationen vom EMDR Institut
Schweiz
•
Überblick aktuelle Forschung (Englische Seite ,
Links am Ende der Seite)
Impressum
Psychotherapeutische Praxis
Dr. phil. Philippe Stöckli
Gemeindestr. 26 | 8032 Zürich
Tel. 076 282 8885