Store
Cupidatat voluptate
Ut adipisicing, in cillum
cupidatat voluptate esse
$0.00
Psychotherapeutische Praxis
Dr. Phil. Philippe Stöckli
Somatic Experiencing
Somatic Experiencing ist eine
körperorientierte Traumatherapiemethode,
entwickelt von Peter Levine (USA, 1942). Sein
erstes Buch ( ”Waking the Tiger” ) ist 1997
erschienen.
Entwicklung von SE
Der Biophysiker und Psychologe Peter Levine
interessierte sich für die Gründe, weshalb wilde
Tiere, die täglich lebensbedrohliche Ereignisse
erleben, kaum traumatisiert werden. Er fand
heraus, dass in solchen Überlebenssituationen im
Körper grosse Energien aktiviert werden, die ein
Überleben durch Kampf oder Flucht sicherstellen
sollen. Wenn jedoch diese Kampf- oder
Fluchthandlungen nicht möglich sind oder nicht
abgeschlossen werden können, bleibt diese
Energie im Nervensystem gefangen und (Trauma)
Symptome entstehen: Das Nervensystem bleibt
dann etnweder im hochaktivierten Kampf- oder
Flucht-Modus/Sympathikus stecken (Symptome
wie Hypervigilanz, Flashbacks, Alpträume) oder
im Totstellreflex/dorsaler Parasympathikus
(Symptome wie emotionale Abstumpfung,
Dissoziation oder Hoffnungslosigkeit). Tiere
haben uns Menschen voraus, dass sie diese
ungenutzte Mobilisierungsenergie auf natürliche
Weise entladen können, z.B. durch Zittern. So
kommt das Nervensystem wieder in ein gesundes
Gleichgewicht. In der SE-Therapie geht es ineinem
ersten Schritt darum, die Verarbeitungsfähigkeit
unseres Nervensystems zu erhöhen, um dann
diese durch das Trauma gebundene Energie in
kleinen Stückchen verarbeiten und integrieren zu
können.
Traumaverständnis nach Somatic
Experiencing
Trauma ist die verhinderte Reaktion des
Nervensystems, nicht das äussere Ereignis.
“Trauma entsteht, wenn der Organismus in seiner
Fähigkeit, Erregungszustände zu regulieren,
überfordert ist. Das traumatisierte Nervensystem
bricht zusammen und kann sich nicht wieder von
alleine ins Gleichgewicht bringen. Dies
manifestiert sich in einer umfassenden Fixierung,
einem grundlegenden Verlust der rhythmischen
Fähigkeit, Erregungszustände selbst regulieren zu
können, sich zu orientieren, im Hier und Jetzt zu
weilen und fliessend am Leben teilzunehmen.”
(Levine)
Die Rolle des Nervensystems
Im SE nimmt das Nervensystem eine zentrale
Rolle ein. Dieses Verständnis fusst auf der
Überzeugung, dass der grösste Teil unseres
Handelns, Erlebens und Denkens durch die
Zustände des Nervensystems (also implizit oder
“bottom-up”) bestimmt und beeinflusst werden.
Das Trauma sitzt ebenfalls im impliziten Teil
unseres Gedächtnisses oder wie Traumaforscher
Bessel van der Kolk sagt “The body keeps the
score”. Daher zielt der therapeutische Ansatz auf
eine Veränderung des impliziten Gedächtnisses
im Nervensystem und nicht auf kognitive
Umstrukturierungen. Ein SE-Therapeut SE behält
das Nervensystem der Klient*in immer im Blick,
denn es verrät mehr als die erzählte Geschichte
(obwohl die natürlich auch wichtig ist): Es verrät,
ob die Person sich sicher und verbunden fühlt,
verängstigt die Gegend nach Gefahr absucht,
oder abwesend und scheinnbar ruhig in der
Dissoziation schwebt.
Jedes Nervensystem scannt die Umgebung
kontinuierlich auf Gefahr, respektive Sicherheit
ab, und passt sich an die wahrgenommenen
Gegebenheiten an, ohne dass wir dessen bewusst
sind. Diesen Prozess nennt Stephen Porges
Neurozeption. Der SE Therapeut unterstützt die
Patient*in, ein Bewusstsein für diese
unbewussten Prozesse und die Zustände des
Nervensystems zu entwickeln. Dies ist die
Grundlage für die Selbstregulierung des eigenen
Nervensystems. Ziel jeder einzelnen SE Sitzung ist
es, die Patient*in zu unterstützen, ihr
aufkommende Aktivierungen (Emotionen,
Körpersensationen, etc.) halten zu können und
wieder in ein ruhiges Gleichgewicht zu kommen.
Längerfristig führen diese Erfahrungen der
Beruhigung und Koregulation zu einer
Vergrösserung der Resilienz, also
Schwingungsfähigkeit, Regulationsfähigkeit,
vermindern die Angst vor intensiven Emotionen,
und erhöhen das Vertrauen in den eigenen
Körper.
SE und die Polyvagaltheorie
Ursprünglich haben Peter Levine und Stephen
Porges, der Begründer der Polyvagaltheorie ihre
Konzepte unabhängig voneinander entwickelt. Als
sie aber die Gemeinsamkeiten entdeckten,
begannen sie auch zusammenzuarbeiten. Denn
die Polyvagaltheorie liefert die passende
theoretische Grundlage für das Somatic
Experiencing. Kurz gefasst postuliert die PVT, dass
der Zustand unseres Nervensystems unser
Erleben, Fühlen, die Wahrnehmung, unser
Denken und unsere autonomen, vegetativen
Körperreaktionen (Blutdruck, Herzrate,
Transpiration, etc.) beeinflusst. Porges Forschung
zum Vagusnerv, der für die parasympathische
Beruhigung zuständig ist, unterscheidet -
vereinfacht gesagt - zwischen einer
parasympathischen Beruhigung in Sicherheit
(ventraler Vagus) und einer parasympathischen
“Beruhigung”/Erstarrung unter Lebensgefahr
(dorsaler Vagus). Die anatomischen
Entsprechungen liessen sich wissenschaftlich
nicht bestätigen. Zudem identifizierte er sozialen
Kontakt als Regulierungsmechanismus für unser
Nervensystem und damit als biologische
Notwendigkeit für eine gesunde Regulierung und
damit für das Überleben des Menschen. Porges
definiert Trauma folgendermassen: “Trauma
beeinträchtigt unsere Fähigkeit des
zwischenmenschlichen Kontakts, indem Muster
der Verbindung mit Mustern des Schutzes ersetzt
werden.”
SE und Spiritualität
Somatic Experiencing hat keinen Anspruch auf
Spiritualität, und so habe ich auch keinen. Ich
möchte trotzdem auf die Vereinbarkeit dieser
Lebensphilosophien hinweisen. Die Haltung von
SE - genauso wie diejenige von NARM oder
Gestalttherapie - entspricht einem
humanistischen Menschenbild: Jede Person
besitzt die Autonomie und Verantwortung für ihr
Handeln, und besitzt bereits alles in sich, wonach
sie sucht und was sie braucht für Heilung. Mit
anderen Worten geht es um das Wiederfinden
der natürlichen Selbstheilungs- und
Regulierungsfähigkeit, die uns allen innewohnt.
Und es geht darum, sich so zu akzeptieren, wie
man in dem Moment gerade ist. Nur so können
wir realisieren, dass wir schon sind, wer wir
werden wollen und dass es somit mehr ums
Loslassen der Widerstände geht als ums
“Erarbeiten” einer Fähigkeit. Soviel ich verstanden
habe über ZEN-Buddhismus - und ich bin kein
Experte - geht es dort auch darum, alles so
akzeptieren zu lernen, wie es ist und es durch
sich durchziehen zu lassen. Polyvagal
ausgedrückt würde das heissen: In einem ventral-
vagalen Zustand bin ich im Hier und Jetzt, mit mir
verbunden und mit der Fähigkeit, mich flexibel zu
regulieren und offen adaptativ auf die Welt zu
reagieren und anderen Menschen zu begegnen.
SE, Entwicklungstrauma und Berührung
Je tiefer die Schichten des Bewusstseins, die wir
berühren und behandeln wollen, umso eher
haben wir es mit frühkindlichen, präverbalen
Ebenen zu tun und damit einer Zeit, in der wir
Babies waren. Aus diesem Grund benötigen
Reisen in diese Schichten mehr Halt und
Sicherheit und auch eine ganz besondere Art von
Kommunikation, nämlich eine, die von unserer
präverbalen, rechtshemisphärischen Seite her
verstehbar ist: Dazu gehören u.a. Körperkontakt,
Berührung, sanfte rhytmische Bewegungen, und
Spiel. Wenn jemand innerlich bereit ist, sich mit
diesen tieferen Schichten zu befassen und
Entwicklungstraumata zu bearbeiten und
gegenseitiges Vertrauen besteht, ist eine stärker
körpertherapeutisch ausgerichtete Arbeitsweise
möglich.
Links
•
SE - Zentrum für Innere Ökologie, Zürich
•
SE Deutschland
•
Mein Blogbeitrag zur Polyvagaltheorie
•
Video: Peter Levine gibt Einführung in SE (27
Minuten, Englisch)
•
Video: Peter Levine erklärt das Prinzip des
Pendelns (3.36, Englisch)
Buchtipps
•
Peter Levine: "Sprache ohne Worte -
Wie unser Körper Trauma verarbeitet
und uns in die innere Balance
zurückführt" Buch bestellen
•
Peter Levine: "Trauma und Gedächtnis - Die
Spuren unserer Erinnerung in Körper und
Gehirn - Wie wir traumatische Erfahrungen
verstehen und verarbeiten" Buch bestellen
•
Peter Levine: "Trauma-Heilung - Das
Erwachen des Tigers. Unsere Fähigkeit,
traumatische Erfahrungen zu
transformieren" Buch bestellen
•
Peter Levine: "Vom Trauma befreien - Wie Sie
seelische und körperliche Blockaden lösen"
Buch bestellen
•
Weitere SE Bücher
Impressum
Psychotherapeutische Praxis
Dr. phil. Philippe Stöckli
Gemeindestr. 26 | 8032 Zürich
Tel. 076 282 8885